Werden Klimaanlagen bei heißeren Sommern bald Standard in Deutschland sein?

Klimaanlage im Schlafzimmer, im Wohnzimmer und vielleicht sogar im Homeoffice?

Was in vielen südlichen Ländern selbstverständlich ist, war in deutschen Wohnhäusern lange eine Ausnahme. Doch diese Haltung beginnt sich zu verändern.

Heiße Tage und warme Nächte werden häufiger. Dachgeschosswohnungen können sich über Tage stark aufheizen und auch moderne Häuser mit großen Fensterflächen sind im Sommer nicht automatisch angenehm kühl.

Damit stellt sich zunehmend eine Frage, die auch für Immobilienkäufer, Eigentümer und Bauherren interessant wird:

Wird eine Kühlung in deutschen Wohnimmobilien irgendwann genauso selbstverständlich sein wie eine Heizung?

Die Antwort könnte langfristig durchaus Ja lauten. Allerdings bedeutet das nicht zwangsläufig, dass künftig an jedem Haus eine klassische Klimaanlage hängen wird.

Deutschlands Häuser müssen sich auf mehr Hitze einstellen

Beim Thema Energieeffizienz wurde in Deutschland jahrzehntelang vor allem in eine Richtung gedacht: Wie halten wir im Winter möglichst viel Wärme im Gebäude?

Diese Frage bleibt wichtig. Eine zweite kommt allerdings immer stärker hinzu.

Wie bekommen wir die Wärme im Sommer wieder heraus oder sorgen dafür, dass sie gar nicht erst hineinkommt?

Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass Sommertage mit mindestens 25 Grad zukünftig etwa 40 Prozent häufiger auftreten könnten. Bei Hitzetagen mit mindestens 30 Grad ist sogar eine Verdopplung möglich.

Schon heute können an heißen Sommertagen in Wohnungen Innenraumtemperaturen von mehr als 30 Grad entstehen.

Damit verändert sich auch die Planung guter Wohnimmobilien.

Die Klimaanlage ist wahrscheinlich nicht die erste Lösung

Wer bei Hitze sofort an eine Klimaanlage denkt, überspringt einen wichtigen Schritt.

Ein gutes Gebäude sollte sich zunächst möglichst wenig aufheizen.

Außenliegende Rollläden und Jalousien können beispielsweise verhindern, dass ein großer Teil der Sonnenenergie überhaupt in den Raum gelangt. Auch Gebäudeausrichtung, Fensterflächen, Sonnenschutzverglasung, Dämmung und die Möglichkeit einer effektiven Nachtlüftung spielen eine Rolle.

Besonders interessant wird das bei Neubauten.

Hier kann sommerlicher Wärmeschutz von Anfang an in die Architektur integriert werden. Ein Haus, das seine Bewohner nur mit permanent laufender Klimaanlage vor Überhitzung schützt, ist schließlich nicht unbedingt besonders clever geplant.

Bei Bestandsimmobilien sieht die Situation anders aus.

Große Fensterflächen, Dachgeschosse oder fehlende Außenverschattung lassen sich nachträglich nicht immer ohne größeren Aufwand optimieren. Dort kann eine technische Kühlung schneller interessant werden.

Klimatisierung wird wahrscheinlich Teil moderner Haustechnik

Vielleicht sprechen wir in einigen Jahren auch weniger über die klassische „Klimaanlage“.

Denn Heizen und Kühlen wachsen technisch zunehmend zusammen.

Ein interessantes Beispiel sind Wärmepumpen. Einige Systeme können nicht nur Wärme bereitstellen, sondern im Sommer auch zur Kühlung eines Gebäudes eingesetzt werden.

Luft-Luft-Wärmepumpen funktionieren technisch sogar nach demselben Prinzip wie reversible Split-Klimaanlagen. Andere Wärmepumpensysteme können ebenfalls Kühlfunktionen bieten, wenn auch mit anderen Möglichkeiten und Leistungsgrenzen.

Damit könnte sich unsere Vorstellung von Gebäudetechnik verändern.

Statt einer Heizung für den Winter und einer separaten Klimaanlage für den Sommer wird das ganzjährige Raumklima stärker als Gesamtsystem gedacht.

Heizen, Kühlen, Lüften, Verschattung und Energieerzeugung greifen dann ineinander.

Photovoltaik und Kühlung passen zeitlich gut zusammen

Ein weiterer Punkt macht aktive Kühlung interessanter: Photovoltaik.

Der höchste Kühlbedarf entsteht typischerweise dann, wenn die Sonne intensiv scheint.

Genau zu dieser Zeit produziert eine Photovoltaikanlage häufig besonders viel Strom.

Für Eigentümer eines Einfamilienhauses kann es deshalb attraktiv sein, einen Teil des Strombedarfs einer effizienten Kühlung über die eigene PV-Anlage abzudecken.

Natürlich wird eine Klimaanlage dadurch nicht kostenlos. Anschaffung, Wartung und Energieverbrauch bleiben Faktoren, die berücksichtigt werden müssen.

Trotzdem verändert die Kombination aus Photovoltaik, Wärmepumpe und intelligenter Gebäudesteuerung die wirtschaftliche Betrachtung.

Was bedeutet das für den Immobilienwert?

Noch ist eine Klimaanlage bei Wohnimmobilien in Deutschland kein Ausstattungsstandard.

Das Umweltbundesamt geht weiterhin davon aus, dass nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Wohngebäude aktiv gekühlt wird.

Bei der Immobilienbewertung dürfte das Thema Raumkomfort im Sommer trotzdem wichtiger werden.

Stellen Sie sich zwei vergleichbare Dachgeschosswohnungen vor.

Beide haben eine gute Lage, ähnliche Wohnfläche und vergleichbare Ausstattung.

In Wohnung A werden im Schlafzimmer während längerer Hitzeperioden regelmäßig mehr als 30 Grad erreicht.

Wohnung B verfügt über außenliegenden Sonnenschutz und ein effizientes Kühlkonzept.

Welche Wohnung würden Sie bevorzugen?

Genau solche Unterschiede können zukünftig stärker in Kaufentscheidungen einfließen.

Dabei muss die Antwort nicht zwangsläufig „Klimaanlage“ heißen.

Ein sehr guter sommerlicher Wärmeschutz kann für Käufer mindestens genauso interessant sein.

Bei älteren Häusern wird die Nachrüstung zum Thema

Besonders spannend wird die Entwicklung für den Gebäudebestand.

Wer heute ein älteres Einfamilienhaus kauft und ohnehin modernisieren möchte, denkt meist zuerst an Heizung, Dach, Fenster und Dämmung.

Zukünftig könnte eine weitere Frage selbstverständlich werden:

Wie verhält sich dieses Haus im Hochsommer?

Dann können außenliegende Verschattung, Dachbegrünung, neue Verglasung, eine geeignete Wärmepumpe oder ein Splitgerät Teil eines umfassenderen Modernisierungskonzeptes werden.

Eigentümer sollten dabei allerdings nicht einfach irgendein Klimagerät installieren.

Mobile Monoblockgeräte sind beispielsweise relativ unkompliziert einsetzbar, arbeiten jedoch anders als fest installierte Splitanlagen. Bei Splitgeräten wiederum sind eine fachgerechte Planung und Installation erforderlich.

Wer ohnehin eine größere energetische Sanierung plant, sollte das Thema Kühlung deshalb gleich mitdenken.

Nicht jede Immobilie braucht eine Klimaanlage

Trotz heißerer Sommer wird Deutschland wahrscheinlich nicht einfach zum nächsten Spanien.

Die Bauweise, das Klima und der Gebäudebestand unterscheiden sich erheblich.

Ein gut geplantes Einfamilienhaus mit außenliegendem Sonnenschutz, sinnvoller Gebäudeausrichtung, guter Dämmung und effektiver Nachtlüftung kann auch ohne klassische Klimaanlage lange angenehm bleiben.

Eine schlecht geschützte Dachgeschosswohnung mit großen Fensterflächen kann dagegen bereits heute einen erheblichen Kühlbedarf haben.

Die Frage sollte deshalb nicht lauten, ob jede Immobilie eine Klimaanlage braucht.

Interessanter ist:

Wie stellen wir sicher, dass eine Immobilie auch im Sommer dauerhaft angenehm bewohnbar bleibt?

Sommerlicher Wohnkomfort könnte zum neuen Qualitätsmerkmal werden

Beim Immobilienkauf achten Menschen auf Energieausweis, Heizungsart, Fenster, Dämmung und Nebenkosten.

Es wäre nicht überraschend, wenn in Zukunft häufiger eine weitere Frage bei Besichtigungen gestellt wird:

„Wie warm wird es hier eigentlich im Sommer?“

Damit könnte sommerlicher Wärmeschutz zu einem echten Ausstattungs- und Qualitätsmerkmal von Immobilien werden.

Für Eigentümer und Käufer in Hohen Neuendorf, Birkenwerder, Oranienburg und dem Berliner Norden lohnt es sich deshalb, das Thema bereits heute mitzudenken.

Eine Klimaanlage allein macht noch keine gute Immobilie.

Ein Gebäude, das mit steigenden Temperaturen umgehen kann, dürfte dagegen zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Und vielleicht wird in einigen Jahren beim Immobilienkauf nicht mehr nur selbstverständlich gefragt, womit ein Haus beheizt wird.

Sondern auch, wie es gekühlt wird.